50 Jahre Männerchor Todtnauberg
Zwei Tage voller Musik, Gänsehautmomente und Kameradschaft
Es gibt Jubiläen, bei denen man auf Zahlen und Jahreszahlen zurückblickt. Und es gibt Jubiläen, bei denen man spürt, was über Jahrzehnte wirklich gewachsen ist: Freundschaft, Zusammenhalt und die Freude, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Das 50-jährige Jubiläum des Männerchors Todtnauberg gehörte zweifellos zur zweiten Kategorie. Am 10. und 11. Oktober 2026 verwandelte sich das Kurhaus in einen Ort voller Musik, Begeisterung und bewegender Begegnungen.
Den Auftakt machte am Samstagabend das SingFest mit der Band James Boys Revival. Rund 120 Besucher waren gekommen, um nicht einfach nur Musik zu hören, sondern selbst Teil des musikalischen Geschehens zu werden. Die Liedtexte wurden auf eine Leinwand projiziert – und schon nach den ersten Takten zeigte sich, dass die Idee aufging.
Die Band war bereits beim ersten Lied überrascht: Das gesamte Publikum sang begeistert mit. Eine solche Reaktion hatte sie nach eigener Erfahrung als Band zuvor noch nicht erlebt. Was als gemeinsamer Musikabend geplant war, entwickelte sich zu einem mitreißenden Erlebnis, bei dem die Grenzen zwischen Bühne und Publikum nahezu verschwanden.
Ob bekannte Schlager, Klassiker oder Stimmungslieder – gesungen wurde gemeinsam, laut und mit sichtbarer Freude. Niemand musste eine perfekte Stimme haben, niemand brauchte Chorerfahrung. Entscheidend war allein die Lust am Singen. Anschließend sorgte die Band mit Tanzmusik für einen stimmungsvollen Ausklang.
Am Sonntag eröffnete die Trachtenkapelle Todtnauberg den Festtag mit einem musikalischen Frühschoppen. Mit ihren schwungvollen Klängen sorgten die Musiker für einen gelungenen Auftakt. Als Zeichen der Wertschätzung überreichte der Vorsitzende Sebastian Thoma ein reichhaltiges Vesper samt Getränken für die nächste Probe – eine schöne Geste der Verbundenheit unter den örtlichen Vereinen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen füllte sich das Kurhaus für den offiziellen Festakt bis auf den letzten Platz. Mehr als 200 Besucher waren gekommen, um mit dem Männerchor auf fünf Jahrzehnte Vereinsgeschichte zurückzublicken. Die Mitglieder des „Zinke Rucksackberger“ und weitere Helfer aus dem Dorf sorgten für eine tadellose Organisation.
Den Auftakt des Festakts bildete die Ansprache des Vorsitzenden des Männerchors, Ulrich Heim. Anschließend ließ der Chor mit drei Liedern hören, wofür er seit einem halben Jahrhundert steht: für die Freude am Gesang und die Kraft einer Gemeinschaft, die zusammenhält.
Zwischen den Liedvorträgen standen die Ehrungen auf dem Programm. Der wohl bewegendste Moment des gesamten Wochenendes galt dabei Alfred Kaiser, dem einzigen noch lebenden Gründungsmitglied des Männerchors. Über Jahrzehnte hat er sich nicht nur als Sänger, sondern auch als Dirigent für den Verein eingesetzt und dessen musikalische Entwicklung entscheidend mitgeprägt.
Als ihm die verdiente Anerkennung zuteilwurde, erhoben sich die Besucher von ihren Plätzen. Minutenlange stehende Ovationen erfüllten den Saal. Es war ein Moment, der die 50-jährige Geschichte des Vereins auf besondere Weise greifbar machte: Hinter jedem Jubiläum stehen Menschen, die mit ihrer Zeit, ihrem Können und ihrer Leidenschaft etwas Bleibendes schaffen. Die langanhaltende Anerkennung für Alfred Kaiser war Ausdruck tiefen Respekts und großer Dankbarkeit.
Auch Bürgermeister Oliver W. Fiedel würdigte den Männerchor in seiner Ansprache. Als Zeichen der Unterstützung überreichte er einen Scheck für die Vereinskasse. Martin Rümmele, Vorsitzender des Alemannischen Chorverbands (ACV), überbrachte ebenfalls seine Glückwünsche und Geschenke. Neben Wein durfte sich der Verein auch über einen finanziellen Zustupf freuen.
Ortsvorsteherin Franziska Brünner hob in ihrer Ansprache insbesondere das große Engagement des Männerchors für das Dorf hervor. Damit wurde deutlich, dass der Verein nicht allein durch seine musikalischen Auftritte zum Gemeinschaftsleben beiträgt, sondern auch durch seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und das Dorfleben aktiv mitzugestalten.
Die Grußworte und Geschenke waren mehr als bloße Gesten zum Jubiläum. Sie waren ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert der Männerchor in Todtnauberg und in der regionalen Chorgemeinschaft genießt.
Nach dem offiziellen Festakt gehörte die Bühne dem musikalischen Nachwuchs. Der Kinder- und Jugendchor des Chorverbands Oberrhein war mit 55 Kindern und Jugendlichen angereist und präsentierte eine mitreißende Show aus Gesang, Tanz und rhythmischen Instrumenten.
Mit ihrer Energie und sichtbaren Begeisterung rissen die jungen Künstlerinnen und Künstler das Publikum mit. Der volle Saal dankte ihnen mit riesigem Applaus. Die jungen Gäste durften, gesponsert vom Eigentümer Günter Eberhardt, die Blackforestline-Hängebrücke erleben. Ein außergewöhnliches Erlebnis, das sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Anschließend zeigte die Trachtengruppe Todtnauberg, wie lebendig die Tradition des Hochschwarzwalds ist. In ihren prächtigen Trachten präsentierten die Tänzerinnen und Tänzer schwungvolle Volkstänze, musikalisch begleitet vom Akkordeonisten Jürgen Mühl. Mit ihren Darbietungen brachten sie ein Stück Heimatgeschichte auf die Bühne und begeisterten die Besucher. Als Geschenk erhielt der Männerchor eine Einladung zu Speis und Trank in die Alte Schmiede in Wembach. Dass die Sänger dort selbstverständlich auch einige Lieder zum Besten geben werden, dürfte bei diesem Verein kaum überraschen.
Den musikalischen Schlusspunkt setzte der Belchenlandchor. Mit seinen ausdrucksstarken Frauen- und Männerstimmen präsentierte er gefühlvolle Lieder, die das Publikum sichtlich berührten. Der begeisterte Applaus und mehrere geforderte Zugaben machten deutlich, dass auch dieser Auftritt den richtigen Ton getroffen hatte. Der Belchenlandchor lädt den Männerchor auf einen Besuch zum schönsten Aussichtberg – den Belchen - ein.
Am Ende lagen zwei Festtage hinter dem Männerchor Todtnauberg, die von den Verantwortlichen als voller Erfolg bewertet wurden. Das Dorf und die Gäste feierten ausgiebig, die Stimmung war hervorragend und die Begeisterung für das abwechslungsreiche Programm spürbar.
Für den Vorstand ist das Ergebnis mehr als zufriedenstellend. Das Wochenende hat gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn Vereine, Musiker, Helfer und Gäste zusammenarbeiten und gemeinsam feiern. Vom generationsübergreifenden SingFest über die bewegende Ehrung eines Gründungsmitglieds bis hin zu den vielfältigen Auftritten am Sonntag spannte sich ein Bogen, der die ganze Bandbreite des Vereinslebens sichtbar machte.
50 Jahre Männerchor Todtnauberg bedeuten 50 Jahre Musik, Kameradschaft und Verbundenheit mit der Heimat. Das Jubiläumswochenende hat eindrucksvoll bewiesen, dass diese Werte nichts von ihrer Bedeutung verloren haben.
Und wenn ein ganzes Kurhaus singt, ein Gründungsmitglied minutenlange Ovationen erhält und Menschen aller Generationen gemeinsam feiern, dann wird aus einem Vereinsjubiläum etwas ganz Besonderes.





